Zeitgenössischer Diskurs und historische Verortung

Mit der Einführung des Bakkalaureats- und Magisterstudiums am Fachbereich Kunst-, Musik- und Tanzwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg bietet sich seit 2004, erst- und einmalig in Österreich, die Möglichkeit historischer wie systematischer Lehre und Forschung. Die Einrichtung einer einschlägigen Professur und anderer tanzwissenschaftlich orientierter Stellen folgte dem Konzept des interuniversitären Schwerpunkts „Wissenschaft und Kunst", der künstlerisches Schaffen und theoretische Erörterungen der beiden Salzburger Universitäten (der Paris-Lodron-Universität und der Universität Mozarteum) zu vernetzen sucht.

Das Studium tanzwissenschaftlicher Methodologien verbindet sich – programmatisch und dem prominenten Standort entsprechend – mit der Entwicklung eines Instrumentariums aus historischen Materialien und Dokumenten, ohne die kunstgeschichtlichen und musikwissenschaftlichen Kontextualisierungen oder die (allgemein diskutierten) transversalen, kulturtheoretischen Debatten zu vernachlässigen. Die Vermittlung tanz- und bewegungsspezifischen Wissens erfolgt mit Blick auf die Praxis (und aus der Praxis) und sucht kontinuierlich nach Strategien zur Beschreibung, kritischen Reflexion und Diskursivierung des eigenen (praxisorientierten wie akademischen) Vorgehens in Vergangenheit und Gegenwart.

Das Forschungs- und Lehrprofil ist in Konzept und Durchführung eng mit der tanzhistorischen Sammlung der Derra de Moroda Dance Archives (DdMDA) verbunden: Im Jahr 1975 vermachte Friderica Derra de Moroda ihre in Expertenkreisen weltweit bekannte Tanzsammlung testamentarisch dem Institut für Musikwissenschaft der Universität Salzburg. Das Archiv, das Quellen unterschiedlichster Art (Bücher, Autographen, Musikalien, Bilddokumente etc.) aus rund fünf Jahrhunderten umfasst, erwies und erweist sich unter seinen Kustodinnen als Zentrum einer spezifisch tanzwissenschaftlichen Topologie und Nomologie der Tanzwissenschaft, (re-)konstruiert und verhandelt.