Verschlingende Dunkelheiten: Monument 0 und 0.3

Dunkelheit umgibt das Publikum… Die angespannte Stille wird nach einiger Zeit von einer verzerrten Stimme unterbrochen… Sie wird lauter, wird leiser… und dort auf der Bühne ist nun vage eine Figur zu erkennen… ein weiß angemaltes Gesicht, ein schwarz-weiß gefärbter Anzug und etwas um den Hals… Langsam und bedacht bewegt sie sich über die Bühne. Weiterlesen

Theater als Geschichte der Gegenwart

Das Theater am Beginn des 20. Jahrhunderts ist vielfältig an Reformen und der Suche nach neuen Wegen. Ähnliches ist für den sogenannten modernen Tanz zu konstatieren. Während in der europäischen Neuzeit Tanz hauptsächlich als Kunst des Balletts mit der Theaterinstitution verbunden war, entfaltet  sich um Jahrhundertwende der sogenannte moderne Tanz als autonome und individuelle Kunstform. Dank der Kooperation zwischen den Derra de Moroda Dance Archives/Tanzwissenschaft der Universität Salzburg und dem Museum der Moderne ergibt sich eine Möglichkeit, hinter die Kulissen der Vergangenheit zu blicken. Weiterlesen

„Braucht es mich als Subjekt?“ – Interview mit Philipp Gehmacher

Ein Interview vom 23. März 2016 mit Philipp Gehmacher über seine Arbeit im Museum der Moderne von Laura Unger

LAURA UNGER: Philipp, wie kam es vom Konzept zur deiner konkreten Arbeit im Museum der Moderne?

PHILIPP GEHMACHER: Kurz gesagt: Ich habe die Einladung bekommen, mich zum Derra de Moroda Archiv künstlerisch in Bezug zu setzen. Nach einem Besuch im Archiv reichte ich ein Konzept ein. Mir wurde dann ein Raum im Museum zugesprochen, mit dem ich vor Ort gearbeitet habe und versucht habe, ihn zu verstehen. Schlussendlich entstand eine Arbeit aus zwei Objekten und dem Raum.

UNGER: Du hast also zu Beginn die Derra de Moroda Dance Archives besucht, was hat dich dort besonders beschäftigt?

GEHMACHER: An dem ich am meisten hängen geblieben bin, das waren die ersten Ausgaben der Zeitschrift „Der Tanz“. Dieser Versuch der Tanzkritik, zu schreiben, die Tanzkunst per se zu beschreiben, das hat mich interessiert. Die Fragen und Projektionen auf Tanz waren vor neunzig Jahren teilweise  ähnlich wie heute. Die Ausdifferenzierung zwischen Tanzkunst und Bewegungskunst zum Beispiel. Diese Unterscheidung hört man zum Teil auch heute noch: „You’re a dancer“ oder „You are more the mover“. Da steckt so eine eigenartige Projektion und Wertigkeit drinnen. Eine weitere Kontinuität ist die Gegenüberstellung von Freiheit und Form. Der freie Tanz mit seiner emanzipatorischen Komponente im Gegensatz zum Streben nach Form und der Begeisterung für Technologie. All diese Dinge haben mich beschäftigt: das Bestreben, die Sehnsucht und letztendlich auch die Ideologie des Modernismus.

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Leerstelle: Biografisches Archiv

Da sich der Biografieraum in der Ausstellung im Museum der Moderne vornehmlich mit Derra de Morodas Wirken als aktive Tänzerin und Choreografin beschäftigt, fällt auf, dass ihre Tätigkeit als Sammlerin und Wissenschaftlerin etwas aus dem Fokus geraten ist. Wenngleich diese in anderen Räumen der Ausstellung zwar unter konzeptuellen Gesichtspunkten thematisiert wird, bleibt die persönliche Geste der Sammlerin – die sich sowohl durch faszinierende Akribie als auch durch eine sehr persönliche Ordnungssystematik auszeichnet – im Biografieraum eine Leerstelle.
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Andrea Pilz und Jan-Felix Wall

Exotik in „Der Tanz“

Wie könnte der Archivraum „Tänze anderswo“ erweitert werden?

Von Julia Heiler und Laura Unger

Die Bildebene existiert mit den projizierten Fotos von Tänzer_innen in exotischen Kostümen im Ausstellungsraum. Wir kehren zurück zum konzeptuellen Beginn der Ausstellung: „Der Tanz“, die Zeitschrift herausgegeben von Joseph Lewitan im Berlin der Moderne. Bei der Durchsicht der Hefte fiel uns auf, dass in der Zeit um 1930 auffallend oft „exotischer Tanz“ thematisiert wurde. Um die Perspektive der damaligen Zeit auf diese Thematik zu zeigen, haben wir beispielhaft zwei kurze Artikel als Audio eingesprochen. Die Bildebene wurde mit verschiedenen Coverfotos der Zeitschrift „Der Tanz“ aus den 1930er Jahren erweitert.

Achten Sie bei der Betrachtung doch  darauf, was für Sie exotisch wirkt. Vielleicht eröffnet sich Ihnen eine ganz neue Perspektive…

Cover "Der Tanz" Februar 1933

Cover „Der Tanz“ Februar 1933

 

Cover "Der Tanz" August 1930

Cover „Der Tanz“ August 1930

Cover "Der Tanz" September 1932

Cover „Der Tanz“ September 1932

 

 

Negativ- Archiv

Quelle: Der Tanz, Jahrgang 1928/29

Virtuelle Erweiterung des Raums: Entwürfe des modernen Tanzes

Die Abbildungen der TänzerInnen vermitteln eine Idee von Körperlichkeit im modernen Tanz. Durch die nachträgliche Bearbeitung der Bilddokumente mit einem „Negativ- Effekt“ bekommen diese einen doppelten archivalischen Charakter. Zumal werden Formen und Strukturen hervorgehoben und die Darstellungen beinahe auf ihren Umriss reduziert. Es entsteht der Eindruck eines phantomhaften Körpers.

Marie-Theres Ivanov, Lisa Köstner

Paulina Olowskas personalisiertes und aktiviertes Archiv

„I guess as a visual artist I try to „activate archives“ of forgotton materials, which in an artistic context is a more emotional, creative, introvert and cosmic-genetic. The Moroda Archive is interesting for me from a point of view that it was a personal archive of woman, collector and dancer.“ (Paulina Olowska)

https://www.pinterest.com/marieavrard/z-art-paulina-olowska/

https://www.pinterest.com/marieavrard/z-art-paulina-olowska/

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