Anders verwandt: Danser sa vie, Move. Choreographing you und Kunst – Musik -Tanz

Drei Tanzausstellungen im Vergleich

Welche Konzepte unterliegen Tanzausstellungen? Wie sind sie strukturiert und was macht sie spezifisch? Um diese Fragen zu beantworten, werde ich zwei Ausstellungen beleuchten:

Danser sa vie: art et danse de 1900 à nos jours“, Centre Pompidou, 23.11.2011- 2.4.2012: https://www.centrepompidou.fr/cpv/resource/ciEG9x/rAxxeR

und

Move. Choreographing you: art and dance since the 1960s“, Hayward Gallery London 13.10.2010- 9.1.2011 (auch im Haus der Kunst, München 10.2.-11.5.2011 und Kunstsammlung NRW, Düsseldorf 16.6.- 25.9. 2011): http://move.southbankcentre.co.uk/microsite/

Diese beiden Ausstellungen thematisieren das Verhältnis zwischen bildender Kunst und Tanz von 1900 bis in die Gegenwart. Doch das ist das Einzige, das sie verbindet.

Die Ausstellung von London hat die besondere Leitidee (wie der Titel bereits verrät), nämlich den Besuchenden selbst zum Tänzer  und zum Teil der Ausstellung zu lassen. Doch abgesehen davon wird vor allem die Interaktion zwischen historischer und gegenwärtiger Beziehung zwischen den „visual arts“ und Tanz gezeigt. Dabei werden bedeutende Werke und neuere Aufträge von KünstlerInnen der letzten 50 Jahre, sprich seit den 1960er Jahren, in Szene gesetzt. Die Ausstellung vereint Performances, Skulpturen und Installationen von beispielsweise William Forsythe, Dan Graham und Xavier le Roy mit Mårten Spångberg.

Move: Choreographing You. aus: http://www.southbankcentre.co.uk/find/hayward-gallery-and-visual-arts/hayward-gallery-exhibitions/catalogues-limited-editions/move-choreographing-you

Move: Choreographing You. aus: http://www.southbankcentre.co.uk/find/hayward-gallery-and-visual-arts/hayward-gallery-exhibitions/catalogues-limited-editions/move-choreographing-you

Das Centre Pompidou beschäftigt sich ebenfalls mit den Zusammenhängen zwischen „visual arts“ und Tanz, doch erweitert sich die Zeitspanne auf den Zeitraum von 1900 bis heute. Es geht hier vor allem um Bewegungsmodellierungen seit der Moderne. Dabei wird insbesondere die Mechanisierung des Körpers durch dessen Abstraktion  im Zeitalter der Industrialisierung thematisiert. Der Körper wird durch die Imitation von mechanischen Bewegungen erst „modern“. Der Titel der Ausstellung leitet sich davon schön ab, denn diese Bewegungen werden als Teil des Lebens, als Auszug aus dem Leben interpretiert. „Danser sa vie“ ist ein Zitat von Isadora Duncan, das hier, leicht verändert, als Titel für die Ausstellung verwendet wird. Das Thema Bewegung wird durch Arbeiten verschiedener Künstler des 20. Jahrhunderts illustriert. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass verschiedene TänzerInnen/ChoreographInnen  selbst im Bereich der bildenden Künste tätig waren, wie beispielsweise Yvonne Rainer oder Robert Morris. Die Spannbreite der künstlerischen Arbeiten ist groß: Es werden nicht nur Installationen und Malereien, sondern auch choreographische Werke und audiovisuelle Arbeiten gezeigt. Über die zeitgenössische künstlerische Perspektivierung von „Moderne“ wird eine Art „Geschichtsschreibung von moderner und zeitgenössischer Kunst“ intendiert. Im Gegensatz zu Move. Choreographing you wird der Besuchende nicht zum Mitmachen animiert.

"Danser sa vie" aus: http://www.detambel.com/images/30/revue_451.pdf

„Danser sa vie“ aus: http://www.detambel.com/images/30/revue_451.pdf

Im Unterschied zu der Ausstellung Kunst. Musik. Tanz im Museum der Moderne Salzburg haben die anderen beiden Ausstellungen keine historiographischen Bezüge. Es werden ausschließlich künstlerische Arbeiten gezeigt und keine historischen Archivalien. Auch fehlt die Hervorbringung von neuen künstlerischen über die Methode des Artistic research. Die Zeit, die behandelt wird ist zwar bei allen drei Ausstellungen ähnlich, jedoch  der Fokus unterschiedlich.

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