Das Konzept der „Collage“ – intermedial, zeitgenössisch, kooperativ?

Entwurf einer Ausstellungsrezension für eine Kunstzeitschrift

Bereits die dem Ausstellungstitel innewohnende hierarchielose Kollaboration der bildenden und darstellenden Künste stellt Analogien zu intendierten Wirkungsmechanismen des ‚Dadaismus‘ her.

Der Künstler Max Ernst definierte die „Collage-Technik“ als „systematische Ausbeutung des zufälligen oder künstlich provozierten Zusammentreffens von zwei oder mehr wesensfremden Realitäten auf einer augenscheinlich dazu ungeeigneten Ebene – und der Funke Poesie, welcher bei der Annäherung dieser Realitäten überspringt.“

Auf immaterieller Ebene lässt sich  das Denkmodell auf die Gesamtkonzeption der Ausstellung als auch auf konkrete künstlerische Beiträge übertragen. Wo werden Spuren des „Collage-Konzeptes“ sichtbar?

Innerhalb eines „künstlich provozierten Zusammentreffens“ lässt sich die Grundidee der Ausstellung (künstlerische Auseinandersetzung im Sinne einer „Revitalisierung“ von Tanzarchivmaterial) wiederentdecken. Als augenscheinlichste Position sei hier die bildende Künstlerin Paulina Olowska genannt. Ihre Collagen kombinieren Schwarz-Weiß Fotografien mit farblichen Akzenten mittels Acrylfarbe und Zeitungsartikeln. Das Zusammenspiel von „grauer“ Archivalie und farblicher Akzentsetzung erinnert an eine Verbindung von Vergangenem und Gegenwärtigem und haucht dem Archiv Leben ein.

 

13433169_1018217711567116_4063177425186268874_o

Paulina Olowska: Ohne Titel, 2016

Die Idee der Collage als avantgardistisches Konstrukt wird in der zeitgenössischen Kunst (wieder) aufgegriffen. Verwiesen sei hier auf die Ausstellung „Summa Summarum“ im Moskauer Zentrum für zeitgenössische Kunst aus dem Jahr 2010, die die medienübergreifende Interaktion von Musik, Literatur, visueller Kunst, Filmkunst und Videokunst in den Fokus stellte: „Die Repräsentanten verschiedener Kunstgattungen verbindet eine einheitliche Denkmethode, und zwar das Collage-Denken, das die autonome Existenz einzelner Kunstarten und -gattungen aufhebt und die zeitgenössische radikale Kultur zu einem Ganzen werden läßt.“[1]

Ein Beitrag von Larissa Weigend, Lisa Köstner und Marianne Bäck

[1] E.L.: Über das kreative Denken als Collage in der zeitgenössischen Kunst, in: Sputnik News, 8.2.2010, online unter:  http://de.sputniknews.com/german.ruvr.ru/2010/02/08/4240242/ [13.06.2016].

Schreibe einen Kommentar