Musik in einer Kunstausstellung?

Wenn es im ersten Moment ungewöhnlich erscheint, für eine Musikzeitschrift eine Rezension über eine Ausstellung zu verfassen, so ist dies doch für die Ausstellung Kunst – Musik – Tanz. Staging the Derra de Moroda Dance Archives legitim.

Das Konzept und schließlich die Realisierung der Ausstellung beinhaltet – neben Objekten aus den Derra de Moroda Dances Archives – Werke von zeitgenössischen KünstlerInnen, deren Arbeiten wegen ihrer intermedialen Herangehensweise die Dimension „Sound“ akzentuieren.

Der Musik am nächsten kommt die Arbeit von Sergei Tcherepnin. Er nimmt Bezug auf das Stück „Jeux“ von Vaslav Nijinsky, indem er das moderne Tennisspiel in ein gegenwärtiges Basketballspiel transferiert. Er verwandelt den Ausstellungsraum in einen Basketballplatz, begrenzt durch Portraits von Performern, die Szenen aus einem fiktiven Spiel zeigen. Die Bilder sind versehen mit kleinen Kupferplatten, die bei Berührung Töne erzeugen. Folgt man der von Tcherepnin vorgegebenen Partitur – die am „Spielfeldrand“ ausliegt – so ensteht daraus Musik. Der Besuchende wird vom Betrachtenden zum aktiven Musiker, zur Musikerin. Der Gang des Besuchers über das „Spielfeld“ verbindet sich mit Tönen, die in ihrer Gesamtheit eine choreographierte Bewegung mit Musik bildet.

Nichts anderes macht Jonathan Burrows in seiner Performance, wenn er versucht, bereits archivierten Tanz wieder zum Leben zu erwecken. Die Musik, die verwendet wird, verarbeitet „Les Noces“ von Igor Strawinsky. Matteo Fargion ist der Gestalter dieses Werkes. Über eine starke Verfremdung der Musik wird ein gesprochener Text gelegt, den Jonathan Burrows eingesprochen hat. Gleich einem Melodram wird in Kombination mit der Performance ein Gesamtwerk geschaffen. Man könnte es beinahe ein Theaterstück nennen. Dies mutet fast ‚traditionell‘ an, wenn man es mit dem Oeuvre von Tcherepnin vergleicht.

Von eigentlicher Musik im klassischen Sinne bewegt sich die Soundinstallation von Eszter Salamon weg. Sie verwendet als Medium für Gefühle nicht mehr Musik, sondern die menschliche Stimme. Ein imaginärer Dialog zwischen der Künstlerin und Valeska Gert wird inszeniert. In einem abgedunkelten, separaten Raum kann dieses Kunstwerk gehört werden. Die Negierung des Visuellen unterscheidet Salamons Arbeit von den beiden anderen Werken, die hier besprochen wurden. Das Darstellerische spielt keine Rolle bei diesem auditiven Erlebnis. Das lenkt die Aufmerksamkeit auf das Hören. Ob man von Musik sprechen kann, ist fraglich, doch geht man von einer zeitgenössischen Konzeption von Musik aus, so ist es doch ein Klang.

Bei genauerer Betrachtung der gesamten Ausstellung kann man erkennen, dass Musik im engen, wie im weiten Sinne  integraler Bestandteil der Ausstellung ist. Ein Besuch dieser Ausstellung ist für Musikinteressierte zu empfehlen.

Rezension für eine Musikzeitschrift über die Ausstellung Kunst – Musik – Tanz. Staging the Derra de Moroda Dance Archives im Museum der Moderne von Julia Heiler und Andrea Pilz.

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