Das Archiv als schwarze Sonne

Man betritt den Raum und die großen schwarzen Sonnen, die etwas Magisches an sich haben, stechen einem sofort ins Auge. Bei näherer Betrachtung merkt man, dass diese „Sonnen“ aus Worten bestehen. Scheinbar unendliche viele Wörter, die einen quasi in den Bann ziehen und denen man nicht entkommen kann.  „Dance“, „Science“, „Derra de Moroda“, „Room“, „Space“, „Time“ und viele mehr dringen ins Gedächtnis. Man wird neugieriger, tastet sich an das Gewirr an Strahlen näher heran, möchte mehr Worte entziffern und in sich aufnehmen. Man kommt sich wie in einem Archiv vor. Dort ist man zwar auf den ersten Blick nicht von Worten umgeben, doch von Bücherrücken, Briefen, Bildern und vielem mehr, das man erforschen kann und das man wissensdurstig aufnimmt.

Lia Perjovschi, Mind map on foam 1cm

So möge es auch Lia Perjovschi ergangen sein, als sie die Derra de Moroda Dance Archives in der Universität Salzburg betrat. So viele Bücher, die alle etwas mit Tanz, TänzerInnen und ChoreographInnen zu tun hatten, und Lia, die dazu eigentlich keinen Bezug herstellen konnte. Doch sie hatte Interesse und war neugierig und so erforschte sie mehrere Tage das Archiv. Sie verschlang die Bücher und Bilder, notierte sich Dinge, fotografierte sie, stellte sich Fragen wie, „what is dance?“, „what is an archive?“, „What means the breaks between the words in language?“ und „how is the body involved in words?“.

Die in der Ausstellung Kunst – Musik – Tanz zu sehenden, artifiziellen Mind-Maps und die zwei Zeittafeln bilden schlussfolgernd ein Archiv des Archivs oder wie es in der Ausstellung genannt wird, eine Detektei. Ihre Werke sind forschungsbasiert und stellen klare Bezüge zum Tanzarchiv dar. Die eine Zeittafel umfasst eine Spannweite von 1800–2040, wobei die Beschriftungen jedoch im Jahr 2012 enden. Die Zweite geht von 1897–1978. Da unter dieser bildartig „Friderica de Moroda“ angeklebt ist, könnte man daraus schließen, dass die Timeline Daten zu ihrer Person umfasst. Die kleinen und großen Mind-Maps beinhalten Assoziationen zu den Begrifflichkeiten „Guide to Choreography“, „Choreography“, „Dance is Science“, „Dance“, „the Archive“, „Archive and Archiving“, „Museum der Moderne Salzburg“, „Derra de Moroda Archive“, „Friderica de Moroda“ und „Post modernity“. Manche von diesen Begriffen dienen sogar zwei Mal als Fokus, jedoch sind sie dennoch unterschiedlich und individuell. Anderen wiederum dienen Bilder als Ergänzung. Zwei Mind-Maps haben zwar keinen Begriff als Ausgangspunkt, doch ist bei der einen ein „Time Circle“ zu erkennen, von dem die Strahlen nach außen strömen. Man kann also die Schlüsselbegriffe „Wissen & Diskontinuität“, „Zeitalter der Moderne und Politik“, „Ästhetik“, „Institutionalisierung“ und „Bewegungsstudium“ herausfiltern, anhand derer Lia Perjovschi gearbeitet hat.
Dance and  Theory, Artistic Research and Presentation, Gabriele Bandstetter/Klein, Dance Studies, Dance is Science of Movement/Notation, Notation,  writing,  Movie Notation,  Sequence,  The Language of Dance, Animation, the Exhibition, Sabine Breitwieser, Irene Brandenburg, Nicole Haitzinger, Claudia Jeschke, Andrea Lehner, Friderica Derra de Moroda, 1897-1978, the Museum der Moderne Salzburg, Tanzwissenschaft + Dance Studies of the University of Salzburg, A Peace, The Archive, the Modern, contemporary Dance ….

 

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