Pas de Deux Sacharoff: Lecture-Performance

Alexej von Jawlensky: Alexander Sacharoff, 1909

Alexej von Jawlensky: Alexander Sacharoff, 1909

Am 22. Mai hat im Museum der Moderne Salzburg eine öffentliche Lecture-Performance in Rahmen der Ausstellung Kunst – Musik – Tanz stattgefunden.

Die Tanzwissenschaftlerin Claudia Jeschke lud zusammen mit Sami Semilä und Nefeli Kadinopoulou-Asteriou, zwei SEAD-Studierenden, die BesucherInnen zu einer  persönlichen Auseinandersetzung zwischen Theorie und Praxis ein.

Nach der Begrüßung hat  Frau Jeschke einen kurzen Überblick über die Arbeit des russischen Choreographen und Tänzers Alexander Sacharoff und seiner Partnerin Clotilde von Derp gegeben. Beide waren am Anfang des 20. Jahrhunderts wichtige Figuren der Kunstszene, doch mit der Zeit sind sie in Vergessenheit geraten. Der kleine Besucherkreis hatte die Möglichkeit, vier Werke der Malerei, die Sacharoff als Inspiration dienten, genauer anzuschauen und eine eigene Vorstellung vom Künstler zu entwickeln. Man begab sich in der Ausstellungauf die Spurensuche von Sacharoff  und konnte die Dokumente, Briefe, Archivfotos und Tanznotation ansehen.

Die erste tänzerische Aktion wurde mit Sacharoffs Tanznotation als Vorlage gestaltet. Sami hat sich mit der Person Sacharoffs und Nefeli mit der von Derps beschäftigt. Daraus entstanden unterschiedliche und persönliche Interpretationen und Ausführungen der gleichen Tanznotate. Es wurde deutlich, wie viele interpretatorische Variationen eine kurze Notation für einen Tänzer ermöglicht und was für eine Herausforderung es ist, die Bewegung graphisch zu fixieren.

Clotilde und Alexander Sacharoff

Clotilde und Alexander Sacharoff

Der Schlussteil, in dem beide TänzerInnen einen Paartanz gezeigt haben, war affizierend. Sie haben als zwei SolistInnen und unabhängige Persönlichkeiten zu tanzen begonnen und langsam, durch subtile Bewegungskommunikation, ein intimes pas de deux entwickelt. Die Verbindung zwischen Archivmaterial und der persönlichen Arbeit beider TänzerInnen, die ihren Zugang  selbst kommentiert haben, war eine bereichernde ästhetische Erfahrung.

Die Lecture-Performace hat die Thematik der Ausstellung aufgegriffen, die sich auf das Archiv als Erlebnis konzentriert. Ein Erlebnis, dass das Gewesene aktualisiert.

Ein Gedanke zu “Pas de Deux Sacharoff: Lecture-Performance

  1. Interessant an dieser Lecture-Performance war für mich, die Ausstellung aus der entgegengesetzten Richtung zu durchwandern und im vorletzten Raum zu beginnen.
    Die insgesamt sechs Spuren, auf die sich die kleine Besuchergruppe begeben hat, erschließt sich im Nachhinein immer logischer. Ein theoretischer Beginn über die Künstler, die aktive Spurensuche in den vorhandenen Materialien und zum Schluss die aktive Auseinandersetzung der Theorie in die Praxis.
    Vor allem das von Monika bereits beschriebene pas de deux hat bei mir die stärkste Reminiszenz im Hinblick auf die Reflexion der ca. einstündigen Präsentation hinterlassen.

    Faszinierend wie der Finne Sami Similä und die Griechin Nefeli Kadinopoulou-Asteriou, die als Mitglieder des BODHI Projects am Sead studieren und arbeiten, die fotographischen Quellen von Alexander und Clotilde Sacharoff umgesetzt haben. Das gegenseitige Nachahmen der Bewegungen nach dem jeweiligen Solopart der Beiden wirkte wie einstudiert und erweckte bei den Besuchern nicht den Eindruck einer Improvisation. Wie Claudia Jeschke es zum Abschluss sehr treffend formulierte: „they adapt a material to their body“.

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