Performativität im Museum oder wenn jemand einfach zu tanzen beginnt

/in: Eszter Salamons <Letters to Valeska Gert>

Man schob den schweren Vorhang aus dickem Stoff zur Seite und betrat einen dunklen Raum.

Die Augen  weit offen und doch sah man nichts. Nichts außer einer scheinbar leeren Schwärze. Erfüllt wurde diese nun durch eine Stimme. Eine Stimme, die sprach und Geräusche von sich gab. Man stand in diesem Raum und hatte keine Orientierung, keine Ahnung von seinem Ausmaß, seiner Größe, konnte keine Form erfassen. Umso intensiver lauschte man den Worten; man lachte ein wenig, wenn sich die Stimme in ungewohnten Tonhöhen erklang. Das war faszinierend, aufregend: ein dunkler Raum und eine Stimme.

Und es gewöhnten sich die Augen langsam an die Dunkelheit und man begann den Raum sichtbarer wahrzunehmen. Und da! Bewegte sich da nicht eine Figur? Mitten im Raum, ein Tänzer?

Erstaunt blickten wir auf diesen grauen Körper, der sich in seinen Konturen nur schwach von seiner Umgebung abhob. Der Tänzer schien Teil eines bewegten und werdenden Raumes zu sein. Seine Bewegungen schienen zufällig, er stand, er lag auf dem Boden. Die Stimme, die aus den Boxen hörbar wurde, verflocht sich mit den Geräuschen von Bewegung.

Allgemeine Irriation. Wer war diese Figur? War sie Teil des Konzeptes?

Nach einer Weile setzte der Tänzer sich auf eine Bank an der Wand. Dann verschwand er.

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